Der erste Blick auf Schloss Weißwasser

  • Nach mehreren Stunden, die wir zu Fuß durch den Wald trotten, Lichtet sich endlich der Wald und wir können durch die Bäume auf Schloss Weißwasser schauen: ein großer Schlosskomplex umringt von einer mittelhohen Mauer. Das Hauptgebäude des Schlosses hat einen Ost- und einen Westflügel. Wir schauen von Norden auf eine große Eingangstür und einen Hof, auf dem zwei Kutschen parken
  • Es raschelt im Gebüsch und eine große bewaffnete Frau tritt uns entgegen, die einen Umhang aus einem Wolfspelz trägt. Das ist wohl die Jägerin Johanna, die uns hierhergerufen hat
  • Janni begrüßt sie ungewöhnlich herzlich, sie kennen sich wohl schon länger
  • Johanna berichtet uns was sie beobachtet hat:
  • In der letzten Nacht hat sich ein Mann erhängt, Johanna hat davon nichts mitbekommen
  • Am heutigen Tag sind zwei Kutschen mit Gästen gekommen, niemand hat das Schloss verlassen. Es kommen wohl öfter Gäste, die zwei Kutschen sind also nicht ungewöhnlich
  • Janni lässt Kira schweren Herzens bei Johanna, damit Johanna wenn nötig Kira mit einer Botschaft zu uns schicken kann und damit wir im Schloss nicht unnötig auffallen
  • Als sich uns von hinten ein Gruppe Reisender nähern, verschwindet Johanna wieder im Unterholz
  • Zwei berittene Adlige werden von zwei angeheuerten Kämpfern auf dem Weg zum Schloss eskortiert. Der ältere Herr stellt sich als Erwin von Zitzewitz vor und die deutlich jüngere Dame als seine Frau Lieselotte
  • Beide sprechen nicht sehr höflich zu mir, Janni und Francois beachten sie kaum und nehmen an, sie wären meine Diener! Die beiden Männer, die sie eskortieren halten sich im Hintergrund (ich würde auch nicht mehr als nötig mit den von Zitzewitz' interagieren). Das adlige Ehepaar will die Ausstellung von mechanischen Wundern im Schloss besuchen, haben aber im Gegensatz zu mir keinerlei Verständnis für die Kunst der Mechanik
  • Wir begleiten sie bis zum Tor und werden dort von einem Wächter des Schlosses begrüßt, der Eintritt für alle adligen Personen verlangt
  • Erwin gibt dem Wächter mit einer großzügigen Geste den genauen Betrag für ihn und seine Frau, was den Wächter sichtlich verärgert. Da außer mir bisher niemand als adlig erachtet wurde, wird von unserer Gruppe erst nur 2 Gulden als Eintritt für eine Person verlangt, doch François will das nicht auf sich sitzen lassen und bezahlt für uns beide plus Trinkgeld, womit er den Wächter sofort freundlich stimmt
  • Das adlige Ehepaar geht vor zum Schloss während wir noch ein wenig den Torwächter ausfragen. Der Schlossherr Franz von Weißwasser und seine Frau Annemarie von Weißwasser empfangen nun schon seit mehreren Jahren Gäste auf dem Schloss, die sich für Geld die Sammlung seines Großvaters August von Weißwasser anschauen. Die Zahl der Besucher am heutigen Tag ist normal. Ansonsten verdient Franz Geld mit den Obsthöfen auf seinem Besitz und möglicherweise auch einigen zwielichtigen Geschäften, was der Torwächter andeutet, aber nicht zugeben will

Ein neuer Auftrag

  • Francois, Janni und ich gehen zum Haupteingang des Schlosses und werden von einem Diener eingelassen, der seine Abschätzung für Francois' Aussehen als Adliger nicht verhelt und irritiert ist, dass wir unsere "Dienerin" Janni in dem Ton mit uns reden lassen … der für Janni typisch ist
  • Wir treten ein in eine große Empfangshalle mit reicher Ausstattung, gesäumt von Ritterrüstungen mit Hellebarden und beherrscht von einer breiten Treppe zum ersten Stock. Außer uns gibt es ein paar verstreute Diener und scheinbar drei weitere Besuchergruppen: das Ehepaar von Zitzewitz, eine Familie mit drei kleinen Kindern und ein älterer Herr mit Zwirbelbart
  • Ein Diener führt uns zu einer Garderobe, wo wir unsere Reisekleidung ablegen und sogar unsere Waffen in die Obhut der Schlossbediensteten geben sollen! Angesichts der frei verfügbaren Hellebarden finde ich das zwar etwas unsinnig, aber habe deshalb auch kein großes Problem damit. Ich lasse mir trotzdem genau erklären, wo die Waffen hingebracht werden
  • Bevor der Diener uns alleine lässt, teilt er uns noch mit, dass bald eine Führung für alle Gäste im oberen Geschoss losgeht, geleitet vom gelehrten Verwalter der Ausstellung, Markus Möllerberg. Auf unsere Frage berichtet er, dass im ganzen Schloss Ausstellungsstücke verteilt sind, zum großen Teil in thematische Räume aufgeteilt
  • Wir besprechen kurz, was wir am besten machen; Janni möchte am liebsten sofort überall nach dem Herz des Waldes suchen
  • Während wir uns unterhalten, kommt eine Frau auf uns zu, die wohl mitbekommen hat, dass wir nicht einfach nur adlige Däumchendreher sind. Sie bittet uns sie in ein Nebenzimmer zu begleiten, um etwas Wichtiges zu besprechen
  • Im geschlossenen Zimmer stellt sie sich als Annemarie von Weißwasser vor, die Schlossherrin. Sie begrüßt uns deutlich freundlicher als alle anderen in diesem Schloss und bittet uns, einen Auftrag für sie anzunehmen. Da sie recht hübsch ist, schaltet Francois in seinen charmanten Modus, durch den immer ein wenig seine Lüsternheit durchscheint
  • Annemarie erzählt uns von dem Mann der sich in der Nacht erhängt hat (wir geben nicht preis, dass wir davon schon wussten). Scheinbar gehen auf Schloss Weißwasser bereits seit einiger Zeit seltsame Dinge vor sich. Die Bewohner des Schlosses schlafwandeln nachts oft und sind dann übermüdet. Auch die beiden Kinder Annemaries - Lisa und August - sind betroffen. Ihr Mann will nicht einsehen, dass etwas etwas gefährliches vor sich geht, daher möchte sie, dass wir in ihrem Auftrag Nachforschungen anstellen, ohne dass ihr Mann davon etwas erfährt
  • Franz von Weißwasser ist am Morgen nach Magdeburg gefahren und deswegen gerade nicht anwesend, diese Zeit sollen wir nutzen. Wir wundern uns etwas, denn Johanna hatte uns vorher erzählt, dass heute niemand das Schloss verlassen hätte, aber wir stellen das sicherheitshalber nicht in Frage
  • Diese finsteren Machenschaften haben angeblich vor einigen Monaten angefangen, Annemarie kann sich an nichts aus der Zeit erinnern, was eine mögliche Ursache sein könnte. Sie meint, dass seit sehr langer Zeit keine neuen Exponate mehr auf das Schloss gekommen sind (sie scheint nichts vom Herz des Waldes zu wissen)
  • Annemarie stellt uns eine reiche Belohnung in Aussicht, wenn wir ihre Probleme lösen, ohne ihren Mann zu verärgern. Sie möchte uns nur ungern Stücke aus der Sammlung überlassen, aber sagt auch nicht kategorisch nein. Bei Erfolg dürfte ich die gut ausgestattete Werkstatt des Schlosses benutzen!
  • Wir akzeptieren den Auftrag (der sich ja zum großen Teil mit unseren bisherigen Plänen deckt), verabschieden uns von Annemarie und gehen zurück in die Empfangshalle, wo in kurzer Zeit die Führung losgehen soll

Die Führung

  • Als der Ausstellungsverwalter, der die Führung leiten soll, zu uns in die Empfangshalle kommt, traue ich meinen Augen kaum: Er mag sich Markus Möllerberg nennen, aber ich kenne ihn aus dem Studium als Jonas Blumke! Er hat damals das Studium abgebrochen, weil er den Stoff nicht verstanden hat
  • Ich lasse mir erstmal nichts anmerken und Jonas scheint mich auch nicht zu erkennen
  • Nach einer kurzen Begrüßung gehen wir die große Treppe hoch in den ersten Stock. Dort stellt uns Jonas/Markus diverse mechanische Kunstwerke vor und klingt dabei wie ein Marktschreier oder Zirkusdirektor. Er hat sich früher auch schon gerne reden hören. Er scheint hier seine Berufung gefunden zu haben
  • Es gibt große Sammlungen von Frauenschuhen und Münzen, von denen ich nur flüchtig Notiz nehme. Interessanter sind da schon die vielen Dioramen, für die August von Weißwasser wohl eine Vorliebe hatte. In vielen dieser Modellbauten bewegen sich durch gut versteckte Mechaniken kleine Figuren. Das beeindruckendste ist ein großes Aquarium, in dem sich hinter einer Glasscheibe kleine Fische auf Drähten bewegen und das ganze täuschend echt aussehen lassen
  • Die Kunstwerke sind zwar beeindruckend, aber eher mit auffälligen Effekten als mit technischer Finesse. Viele von den Effekten können eigentlich nur mit Seelenlicht bewerkstelligt werden, selbst dann bin ich mir nicht sicher wie einige davon funktionieren. Dass Jonas diese Wunderwerke wartet und versteht kann ich mir kaum vorstellen
  • Der letzte Raum, in den wir geführt werden, ist die Naturalienkammer, in der ausgestopfte Tiere, Fossilien und andere natürliche Exponate ausgestellt werden. Dies ist für uns der interessanteste Raum, denn in seiner Mitte gibt es einen großen Glaskasten, der mit einem schwarzen Tuch abgehängt ist. Markus/Jonas erzählt, dass hier später eine Art Herz ausgestellt werden soll, das aber noch nicht im Glaskasten ist. Wir heben heimlich das Tuch an und sehen, dass der Kasten tatsächlich noch leer ist. Ich habe das Gefühl, dass Janni den Glaskasten einfach eingeschlagen und das Herz an Ort und Stelle an sich genommen hätte, wenn es hiergewesen wäre

Unheimliche Ausstellungsstücke

  • Im gleichen Raum ist auch ein Tisch mit scheinbar kaputten Exponat: Einige Splitter von einem wohl recht großen, milchig weißen Kristall liegen neben einem Schild mit der Aufschrift "Spiritus Familiaris"
  • Janni spürt etwas von den Splittern und möchte sie untersuchen. Als sie sie dabei unbeabsichtigt berührt, schneidet sie sich an einer scharfen Kante. Sie scheint dabei eine dunkle magische Präsenz zu spüren, die ihr sichtlich Angst macht
  • Auf unsere Nachfrage meint Markus/Jonas, dass der Kristall vor einigen Monaten zu Bruch gegangen wäre, wie genau wisse niemand. Aktuell ist der Kristall in Jonas' Werkstatt zur Reparatur
  • In einem unbeobachteten Moment tue ich vorsichtig, und ohne sie zu berühren, die verbliebenen Splitter in eine Metalldose und nehme sie mit
  • Während wir ein wenig auf eigene Faust durch die Ausstellung gehen, entdecken Francois und ich eine Tür mit der Aufschrift "Waffenkammer", die unser Ausstellungsführer uns gar nicht gezeigt hat. Wir gehen interessiert hinein und lassen Janni zurück, die sich dafür nicht so sehr interessiert
  • Hier ist der Teil der Ausstellung, den ich freudig erwartet hatte und der mich am meisten interessiert hatte: verschiedene Waffen mit allerlei mehr oder weniger sinnvollen Apparaturen, zusätzlichen Modulen, Klingen, Dornen oder Griffen, die mit beeindruckender, aber zugänglicher Handwerkskunst an Zweihandschwerter, Rapiere, Musketen und Pistolen gebaut worden waren
  • Auch Francois ist sehr an einigen der Rapiere interessiert. Wir nehmen uns vor, unsere Auftraggeberin um etwas aus dieser vernachlässigten Sammlung zu bitten, nachdem wir ihren Auftrag erfüllt haben
  • Wie wir später erfahren, schaut sich Janni derweil ein Diorama eines Streiwagenrennens in einer antiken Arena an. Ein gehörnter Bacchus läuft darin herum und sie bemerkt einen Miniaturpapagei, der durch die Szene fliegt. Der bunte Vogel passt so gar nicht in die Szene und vermittelt ihr ein ungutes Gefühl. Sie folgt dem Papagei, bis er in eine Luke in einem Holzpodest fliegt, die sich hinter ihm schließt. Vorsichtig öffnet sie die Luke und sieht darin die Figur reglos, wie gebrochen liegen. Der leere Raum hinter der Luke scheint unnatürlich tief und dunkel zu sein. Vorsichtig versucht Janni einen Zweig in das Loch zu stecken, den sie natürlich dabeihat. Das ist auch gut so, denn eine metallene Klinge fährt plötzlich von oben herab und trennt den Zweig ab, den sie hineingesteckt hat! Damit hat sie genug und begibt sich in einen Teil der Ausstellung
  • Als wir einige Zeit später zurückkommen, finden wir Janni bei einem Buch, das auf aufgeschlagen auf einem Podest liegt. Es ist ausgewiesen als das Kochbuch der ? von ? von Weißwasser. Janni erzählt uns aufgeregt, dass die gerade aufgeschlagene Seite für sie ein sehr positive magische Ausstrahlung hat, aber die nächste Doppelseite ihr wohl ein sehr schlechtes Gefühl bereitet
  • Janni meint, wir dürften auf keinen Fall umblättern, aber sie bedeutet mir, ich solle vorlesen, was auf der gerade aufgeschlagenen, guten Seite geschrieben steht. Oberflächlich steht dort ein normales Rezept geschrieben, aber ich habe das Gefühl, dass in den unscheinbaren Anweisungen ein tieferer Sinn versteckt ist, dass möglicherweise eine Anleitung für ein magisches Ritual hier als Kochrezept getarnt wurde
  • Leider können wir hier nicht tiefer forschen, weil Jonas/Markus zu uns kommt und uns scheinbar gehört hat

Nach der Ausstellung

  • Wir wollen ihm nicht auf die Nase binden, dass Janni Ahnung von Magie hat oder warum wir wirklich hier sind, also weichen wir seinen Fragen aus. Andersherum fragen wir Jonas nach dem Kristall, der zu Bruch gegangen ist und wo der jetzt ist. Er sagt, dass er in seiner Werkstatt liegt und er ihn abschleifen will, um ihn wieder präsentabel zu machen. Der Kristall ist wohl milchig weiß mit einem schwarzen Einschluss. Uns fällt auf, dass der Bruch des Kristalls ungefähr mit dem Beginn der merkwürdigen Vorgänge auf dem Schloss übereinstimmen könnten
  • Ich lasse durchblicken, dass ich ihn von früher kenne und wir überreden ihn, uns den Kristall zu zeigen. Wir wollen eigentlich mit in seine Werkstatt kommen, aber das wehrt er entschlossen ab. Wir versuchen ihm zu folgen, doch er geht durch ein Portal in den Ostflügel, das von Wachen bewacht wird, sodass wir ihm nicht folgen können
  • Die Ausstellung ist nun offiziell beendet, sodass die anderen Gäste gehen. Erwin von Zitzewitz verabschiedet sich von uns und lädt mich ein, ihn in seinem Haus in Magdeburg zu besuchen (er wohnt in der Blumenstraße 25a), was ich auf keinen Fall vorhabe und daher möglichst höflich, aber vage zur Kenntnis zu nehmen
  • Dann kommt Annemarie von Weißwasser wieder zu uns und bedeutet uns, zu einer weiteren Unterredung in ein Nebenzimmer zu kommen
  • Sie fragt, ob wir bereits etwas herausgefunden haben und wir erzählen ihr von dem Kristall, der möglicherweise eine Ursache sein könnte. Wir reden etwas durcheinander und sprechen auch von dem Diorama mit dem Papagei und dem Kochbuch, was Annemarie zunehmend an uns zweifeln lässt. Sie glaubt eigentlich nicht, dass die Ausstellung oder Exponate daraus etwas mit dem Problem zu tun haben und stellt unsere Fähigkeiten und Vorgehensweise in Frage. Mit Mühe können wir sie davon überzeugen, dass wir ja noch weiterermitteln und sie keine besseren Alternativen hat
  • Annemarie scheint uns erstmal weiter zu vertrauen, aber drängt uns, endlich den toten Mann zu untersuchen, der sich in der Nacht erhängt hat. Dazu schickt sie uns einen ihrer Diener mit: Louis
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